Derzeitige Therapieangebote

2.2 Medikamente (Antidepressiva)

[Quellen: Bittere Pillen (Kurt Langbein); KURSBUCH Medikamente und Wirkstoffe (Dr. Andreas von Maxen); Klinisches Wörterbuch (Pschyrembel)]

Antidepressiva sind chemische Psychopharmaka, die in der Therapie der Depressionen Verwendung finden. Sie wirken hauptsächlich an den Synapsen der Hirnzellen (Neuronen) und rufen hier die mannigfaltigsten Wirkungen durch Hemmung oder Verstärkung der Transmitterfunktionen hervor. Antidepressiva erzeugen in der Biosynthese (Hirnstoffwechsel) keine Neurotransmitter (z.B. Serotonin, Dopamin). Dafür sind die essentiellen Stoffe Pyridoxin (Vitamin B6) und Tryptophan (ggf. Tyrosin) zwingend erforderlich.

2.2.1 Trizyklische Antidepressiva
sind Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen. Die Auswahl der Substanz richtet sich nach den Symptomen. Die Dosierung erfolgt einschleichend. Bevor man jedoch über Erfolg oder Misserfolg einer Therapie urteilen kann, muss ausreichend lange (mind. 2-3 Wochen) in einer wirksamen Dosis behandelt werden. Wegen vieler Neben- und Wechselwirkungen ist eine enge Kontrolle nötig.
Chemische Wirkstoffe:
Vorwiegend dämpfend: Amitriptylin, Doxepin, Trazodon, Trimipramin
Vorwiegend antriebssteigernd: Disipramin, Nortryptylin
Ohne wesentlichen Effekt auf Antrieb: Clomipramin, Imipramin, Maprotilin, Opipramol
Wirkungsweise: Hemmung der Wiederaufnahme oder des Abbaus von Noradrenalin und Serotonin im ZNS (Synapsen).
Risiken und Nebenwirkungen treten häufig auf: Möglich sind Mundtrockenheit, Sehstörungen, Schwitzen, Impotenz, Blutdruckabfall beim Aufstehen, Herzrhythmusstörungen, Händezittern, Müdigkeit, Verwirrtheit, Blutbildschäden, Gewichtszunahme, Vergiftungen bei zu hoher Dosierung.

2.2.2 Selektive Serotoninwiederaufnahme-Hemmer
sind nicht wesentlich besser verträglich als trizyklische Antidepressiva und möglicherweise etwas schwächer wirksam. Sie werden dann angewendet, wenn es Gründe gegen eine Einnahme der trizyklischen Antidepressiva gibt oder wenn es unter diesen Mitteln zu erheblichen Nebenwirkungen gekommen ist. Eine Überwachung ist erforderlich, da häufig unangenehme psychische Begleiterscheinungen auftreten.
Chemische Wirkstoffe: Citalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin, Venlafaxin
Wirkungsweise: Die Wiederaufnahme von Serotonin aus dem synaptischen Spalt der Nervenzellen wird gehemmt, wodurch es zu einer Erhöhung der bei Depressionen erniedrigten Serotoninkonzentrationen kommt.
Risiken und Nebenwirkungen treten häufig auf: Die Risiken und Nebenwirkungen entsprechen denen der trizyklischen Antidepressiva. Dazu können Übelkeit, Appetitlosigkeit, Aggressivität, Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Benommenheit (und) oder Störungen der Sexualität hinzukommen.

2.2.3 MAO-Hemmer
Der neue MAO-Hemmer Moclobemid gilt als Reservemedikament bei Depressionen, wenn die Behandlung mit "chemischen" Antidepressiva wegen Nebenwirkungen oder mangelnder Wirksamkeit nicht möglich ist Es hat eine aufputschende Wirkung und wird daher bei starker Antriebsschwäche eingesetzt. Nicht gegeben werden sollte es bei Agitation (Aufgeregtheit) und erheblicher Unruhe.
Chemischer Wirkstoff: Moclobemid
Wirkungsweise: Die Substanzen wirken auf das Enzym Monoaminoxidase (MAO A u. B), die dadurch den Abbau der Neurotransmitter (Serotonin, Dopamin und Noradrenalin) hemmen. Dadurch erklärt sich die stimmungsaufhellende Wirkung der Mittel. MAO-Hemmer erzeugen im Hirnstoffwechsel keine zusätzlichen Neurotransmitter
Risiken und Nebenwirkungen treten häufig auf: Moclobemid ist besser verträglich als die alten MAO-Hemmer. Dennoch brechen viele Patienten die Therapie wegen Unverträglichkeit, zum Teil auch wegen Unwirksamkeit ab. An Risiken und Nebenwirkungen wurden Schlafstörungen, Angst, Erregungszustände, Übelkeit, Durchfälle und Herzrhythmusstörungen bekannt. Es sind Symptome, die es eigentlich zu Bekämpfen gilt.

2.2.4 Lithium
Lithium ist aufgrund seiner relativ großen Giftigkeit ein problematisches Medikament. Es hat bei schwer verlaufenden Depressionen und bei Depressionen, die sich phasenweise mit manischen Episoden abwechseln, bislang Bedeutung. Bei schweren Depressionen senkt es die Selbstmordrate. Eine ständige Kontrolle der Blutwerte ist erforderlich, weil meist eine langjährige (akuten Schüben vorbeugende) Einnahme nötig ist.
Chemischer Wirkstoff: Lithium
Wirkungsweise: Die Lithiumsalze werden zur Behandlung von manisch-depressiven Erkrankungen eingesetzt. Den genauen Wirkungsmechanismus weiß man in der Medizin nicht.
Risiken und Nebenwirkungen treten häufig auf: Fast alle Patienten leiden unter Nebenwirkungen. Da Lithium sehr giftig ist, kann es bereits bei geringen Überdosierungen sehr schnell zu schweren Vergiftungen kommen. An Nebenwirkungen können metallener Geschmack, Überkeit, Durchfall, Nierenschäden, Schilddrüsenerkrankungen, Muskelschwäche und Zittern auftreten.

2.2.5 Pflanzliche Antidepressiva
Die Nebenwirkungen des Johanniskraut sind geringer als bei der Verwendung von chemischen Antidepressiva. Die Wirksamkeit bei depressiven Erkrankungen ist bisher nicht zweifelsfrei erwiesen. Auch die optimale Dosis ist bislang nicht klar. Zudem hält die Suche nach den eigentlich wirksamen Bestandteilen der Extrakte an. Somit ist die Anwendung bei Depressionen mit einem Fragezeichen versehen.
Wirkstoff:Johanniskraut
Wirkungsweise: In Johanniskraut befinden sich viele Stoffe. Welche Substanz(en) für die Auswirkungen auf die Stimmung verantwortlich ist, weiß man nicht mit Sicherheit. Johanniskraut soll ähnlich wie die chemischen Antidepressiva einen fördernden Einfluss auf die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin im Gehirn haben, womit die stimmungsaufhellenden Wirkungen erklärt werden. Ob die Bestandteile des Johanniskraut aber überhaupt Nervenzellen im Gehirn erreichen, ist unklar.
Verglichen mit den chemischen Antidepressiva treten weniger Nebenwirkungen auf. Patienten können unter Nebenwirkungen leiden. Hier sind Sonnenallergie, Müdigkeit, Unruhe, Überkeit und Bauchschmerzen zu nennen. Depressivkranke Menschen neigen ohnedies zur Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht.

Bruno Rupkalwis
Internet: www.hirndefekte.de